12. November 2012 um 19 Uhr
Botschaft Tschechische Republik, Wilhelmstr. 44, 10117 Berlin
Film, Ausstellung und Symposion über das Attentat auf Reinhard Heydrich, den "Schlächter von Prag" und die Vernichtung der Böhmischen Dörfer Lidice und Lezaky vor 70 Jahren, mit den Historikern PhDR. Pavel Zeman, Institut für das Studium totalitärer Regime, Dr. Michal Simunek, Akademie der Wissenschaft CR, statt.

In den Morgenstunden des 15. März 1939 überschritten die Truppen der deutschen Wehrmacht die tschechoslowakischen Grenzen und bald darauf wurde von den Nazis das Protektorat Böhmen und Mähren proklamiert. Doch die ehemalige Tschechoslowakei hörte in der freien Welt keineswegs auf zu existieren. Im Gegenteil: Die tschechoslowakische „Auslandsaktion“, wie später die diplomatischen Aktivitäten unter der Führung von Präsident Edvard Benes genannt wurden, begann buchstäblich am darauf folgenden Tag, d.h. am 16. März 1939. Die tschechoslowakischen diplomatischen Vertretungen in den meisten freien Ländern der Welt arbeiteten weiter, denn die Entstehung des Protektorats Böhmen und Mähren wurde als klarer Bruch des internationalen Rechtes von Seiten des nationalsozialistischen Deutschlands betrachtet.

Die Ausland-Tschechoslowaken standen also schon ein halbes Jahr vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in klarer Gegnerschaft zum nationalsozialistischen Deutschland. Ihr Weg zu einer vollwertigen Anerkennung im Sinne einer tschechoslowakischen Exil-Regierung war aber noch sehr lang und kompliziert. Auch nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges im September 1939 war die Position der tschechoslowakischen Exil-Politiker nicht einfach. Die Existenz des Protektorats und des slowakischen Staates, der sogar als ein "Verbündeter" Deutschlands galt, erschwerte ihre Position bei den Alliierten beträchtlich. Trotz der spezifischen politischen und vor allem geographischen Bedingungen in der Heimat, die die Aktionen des Widerstandes gegen die Nationalsozialisten erschwerten, konnte die Exil-Führung bald eine ganze Reihe von bedeutsamen Aktionen der "rèsistence", die vom Ausland aus organisiert wurden, vorweisen und somit das Bild der gemeinsam mit den Alliierten gegen Hitler "kämpfenden Tschechoslowakei" festigen. Der Höhepunkt dieser Aktivitäten war das Attentat auf Reinhard Heydrich:
Am 27. Mai 1942 verübten die Widerstandskämpfer und Mitglieder der tschechoslowakischen Exilarmee in Großbritannien, Josef Gabcik und Jan Kubis, ihr Attentat, auf Reinhard Heydrich Chef des Reichssicherheitshauptamtes und Reichsprotektor im Protektorat Böhmen und Mähren. Heydrich war durch eine Handgranate schwer verletzt worden und starb einige Tage später an den Folgen dieser Verletzungen.
Der Anschlag auf Heydrich war das einzige erfolgreiche Attentat auf einen hohen NS-Funktionär in Europa und war nicht nur für die Böhmischen Länder, sondern für Europa und die ganze Welt von großer Bedeutung.
Es wurde ein Zeichen gesetzt: nicht alle Menschen in den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten verhielten sich wie Opfer und verharrten in Passivität, es gab auch zahlreiche, die Mut zum Widerstand bewiesen und sich aktiv zur Wehr setzten.

Ein Monat nach dem Attentat erfolgte die endgültige Anerkennung der tschechoslowakischen Exil-Regierung von Präsident Benes durch die britische Regierung, die dazu noch offiziell verlautbarte, dass sie sich nicht mehr an die Verträge aus dem Münchener Abkommen von 1938 gebunden fühlt.
Nach dem Tod Heydrichs war die tschechische Bevölkerung brutalen Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt. Nur wenige Tage nach dem Attentat wurde als Racheakt das Dorf Lidice bei Prag dem Erdboden gleichgemacht. Alle männlichen Bewohner, die älter als 15 Jahre waren, wurden erschossen, Frauen und Kinder in das Konzentrationslager Ravensbrück nach Deutschland verschleppt. Auch mit anderen Terrorakten an verschiedenen weiteren Orten wüteten die Nazis und wollten Exempel statuieren. Diese Zeit wurde später von den Tschechen als Heydrichiade bezeichnet. Insgesamt wurden über 3000 Menschen verhaftet, mehr als 1300 wurden hingerichtet.
Heute zeigen wir u.a. auch den amerikanischen Spielfilm aus dem Jahr 1943 „Auch Henker sterben", der unter der Regie von Fritz Lang in Hollywood gedreht worden war. Das Drehbuch schrieb John Wexley nach einer Vorlage von Fritz Lang und Bertolt Brecht. Die Filmmusik stammt von Hanns Eisler und wurde 1944 mit einem Oscar ausgezeichnet. Zusammen mit "Casablanca" und Lubitschs "Sein oder Nichtsein" zählt „Auch Henker sterben" zu den erfolgreichsten antifaschistischen Hollywood-Filmen, die während des Zweiten Weltkriegs in den USA entstanden sind.
Danach findet eine Podiumsdiskussion u. a. mit dem Historiker Dr.Pavel Zeman vom Institut für das Studium totalitärer Regime statt. Der Filmemacher Stepan Benda wird die Diskussion moderieren.